Die Tafel ist kein Ausdruck von Armut

Nach der (überfälligen) öffentlichen Diskussion über die Millionen von Menschen, die ihre Nahrungsmittel über die Tafeln organisieren (müssen) kommt der Bundesvorsitzende der FDP, Christian Lindner, in der Bundespressekonferenz zum Schluss:

Die Tafel ist ausdrücklich kein Ausdruck von Armut, sondern zunächst eine Entscheidung, dass man günstige Lebensmittel nicht wegwerfen will. Der wachsende Bezug von Lebensmitteln ist für mich kein Indikator dafür, dass in Deutschland Armut steigt.

Dazu fällt mir passend ein Audiokommentar im Aufwachen-Podcast ein

Ich bin gerade „broke“, komme aus der Langzeitarbeitslosigkeit und H4-Bezug meiner Eltern […] und kann jetzt gerade nicht mal die 1,5 € für die Tafel aufbringen. […] Man ist in Armut aufgewachsen und weiß nicht, wie man heraus kommt. Ja, … das ist es halt für mich: Das Geld ist eine Variable in meinem Leben, die von externer, von der Außenseite _alles_ bestimmt. Mehr oder minder. Ob „Hose runter lassen“ um Geld zu erfragen, oder jeden Cent drei mal umdrehen um etwas zu erbeten – es ist halt ziemlich krass. […]
Auf der anderen Seite möchte ich die emotionale Lage noch ein mal beschreiben […]: Was ist mit den Leuten, die bedürftig sind, und nicht nur das Gefühl haben? Meine Mutter ist damals als H4-Bezieherin schon zur Tafel gegangen. Ich war da als Kind vielleicht ein mal bei. Aber jetzt, diese 500 Meter zu Fuß… was für ein inneres Schamgefühl in einem aufkommt, das ist kaum zu beschreiben. Man geht ein stückweit zu einer Kirche um sich dort abgelaufene Lebensmittel zu holen und um sich dort ein zu bringen. […] Und auf der anderen Seite will ich [als Student] den anderen Leuten, die vielleicht noch bedürftiger sind als ich, das Essen auch nicht wegnehmen. Naja, zwei Wochen noch mit 3 €… mal gucken, wie es gut wird.

Ich bin gerade wieder erinnert, an die Sendung in der der Herr Lindner Krankenpflegern erklären wollte wie man ihre Arbeit besser – also… „effizienter“ – machte.

Oder der Jahresrückblick, in welcher der junge Pfleger eingeladen war, der mit der nicht abgesprochenen Frage die Bundeskanzlerin der Herzen in Bedrängnis brachte. Auf die Rückfrage, warum er nicht in die Politik ginge:

Wenn man in die Politik gehen will, muss man, glaub ich, auch manchmal gut lügen können.

Das Publikum klatscht frenetisch.

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