Stadtmuseum Oldenburg 800-1550

Da ich schon lange vertrauenswürdige Quellen über die Oldenburger Geschichte suchte, die verständlich waren und gleichzeitig über die Wikipedia hinausgehen, hier einige Textausschnitte aus dem Stadtmuseum (dessen Besucht wirklich sehr instruktiv ist).

Oldenburg um 800

Von späteren, gesicherten Erkenntnissen ausgehend und unter Einbeziehung archäologischer und geologischer Befunde ist das vorliegende Modell im Maßstab 1:400 zur Anschauung der mutmaßlichen Situation „um 800“ entstanden.

Modell Oldenburg um 800
300 Jahre vor der ersten schriftlichen Erwähnung (1108) zeigt sich die Siedlung als kleines Dorf im Bereich unmittelbar östlich des heutigen Marktplatzes. Es liegt hochwassergeschützt am südöstlichen Rand der Oldenburgisch-Ostfriesischen Geest und ist an drei Seiten von Niederungsgebiet und moorig-morastigem Gelände umgeben, das häufig im Winterhalbjahr überschwemmt wurde.

Die Hunte, von Süden kommend, bog hier in einem Knick nach Osten zur Weser hin ab. Sie nahm das Wasser der Haaren, die von Westen durch das heutige Dobbenviertel (Dobben = Sumpf) heran floss, mit ihren zahlreichen Bächen und Wasserzügen auf. Östlich des Dorfes erstreckte sich ebenfalls unwegsames Gelände, die „Stauwiesen“ und die „Moorstücken“ (heutiges Bahnhofsviertel).

Bis zum Oldenburger „Stau“ war die Hunte schiffbar, so dass sich später ein Hafen entwickeln konnte. Flussaufwärts lag eine Furt (nachher zum „Damm“ aufgeschüttet), die weit und breit die beste Möglichkeit bot, die verkehrshindernden Moore zwischen Weser und Ems zu durchqueren und die Küste auf dem Landweg zu erreichen, der schon seit frühgeschichtlicher Zeit genutzt wurde. Die verkehrsgünstige Lage bewog im 11. Jahrhundert die Grafen von Oldenburg, sich hier bei der Hunte-Furt und dem alten Fernhandelsweg festzusetzen und eine Burg zu bauen (an der Stelle des heutigen Schlosses).

In das Modell hineinplatziert findet sich eine frühmittelalterliche Ringwallanlage. Ob sie hier oder außerhalb des Modellausschnitts lag, muss offen bleiben. Dass eine solche existiert haben wird, gilt als sicher. So erklärt sich der Name Oldenburg für die Siedlung und gräfliche Burg als „bei der alten Burg“ am einfachsten

Anmerkung: Inzwischen wurde der „Heidenwall“ gefunden. Die Rest wurden bei Bauarbeiten in der Nähe des IKEA Oldenburg gefunden. Der Archäologe Martin Teller konnte durch das Studium alter Karten die Position vorhersagen. Zum Zeitpunkt der Entdeckung lag er nur noch zu gut einem Drittel unter dem, was heute der Deich am alten Baggerhafen ist. Die gut erhaltenen Holzstücke werden konserviert und sollen in Zukunft ausgestellt werden.

Oldenburg um 1350

Das Modell „um 1350“ zeigt die Stadt. wie sie sich zur Zeit der Stadtrechtsverleihung den Zeitgenossen aller Wahrscheinlichkeit nach darbot.

Modell Oldenburg um 1350

Bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts hatte sich die Siedlung, die 1345 das Stadtrecht erhielt, zu einem Gemeinwesen von vielleicht 500 bis 700 Einwohnern entwickelt. Die Gebäude konzentrierten sich in noch lockerer Bebauung auf das einzig siedlungsfreundliche, weil nicht überschwemmungsgefährdete Geestgelände nördlich der Burg der Grafen von Oldenburg. Nähere Einzelheiten – etwa: wie viele Gebäude neben Burg, Nikolai-Kirche und LambertiKirche tatsächlich existierten, wie die Stadtmauer aussah und wo genau sie verlief – bleiben verborgen.

Wer sich im Mittelalter der Hunte-Furt bei Oldenburg näherte, um den alten Fernhandelsweg zur Küste zu nutzen, musste durch die Burg. Und deshalb stand sie auch dort: um den Landweg zu kontrollieren, seine Nutzung im Bedarfsfall gar zu verhindern („Sperrfunktion“) oder einfach nur Abgaben zu erzielen („Wegezoll“).

Die Burg diente nicht nur zum Wohnen und Aufenthalt der gräflichen Familie. Von hier aus wurde Herrschaft ausgeübt, die Grafschaft Oldenburg regiert. Sie war der Mittelpunkt eines eigenständigen Territoriums. Oldenburg der Hauptort. Es Iiegt deshalb auf der Hand, dass neben der verkehrsgünstigen Lage besonders die „Zentralitätsfunktion“ hohen Anziehungswert besaß: Immer mehr Leute ließen sich hier nieder. Herrschte ursprünglich landwirtschaftliche Betätigung vor, so überwogen schließlich Handel und Handwerk und insgesamt das, was wir heute unter Dienstleistungen verstehen.

Das Modell verdeutlicht, dass die Stadt von Natur aus an drei Seiten gut geschützt war: Im Westen und Osten lag das morastige Gelände der „Dobben“ bzw. die „Moorstücken“, im Süden das Niederungsgebiet der Hunte und außerdem die Burg. Nur von Norden, wohin sich der Geestrücken weiter zog, konnte Gefahr drohen. Deshalb war hier ein Wassergraben mit dahinter liegendem Wall angelegt worden. Später zugeschüttet, markiert die heutige Gast-Schütting-Staustraße seinen ehemaligen Verlauf.

Stadt und Recht Oldenburg um 1350

Im ureigensten Interesse der Grafen musste es liegen, das Machtmonopol zu erhalten und Autonomiebestrebungen nur sehr eingeschränkt zuzulassen. Andererseits galt es zugleich – durchaus nicht uneigennützig – Wirtschaft und Handel zu fördern. Beides lässt sich hinreichend deutlich jener Urkunde entnehmen, durch die am 6. Januar 1345 Oldenburg das Stadtrecht nach Bremer Vorbild erhielt.

Hierin finden sich einerseits Bestimmungen, die das Recht zur Selbstverwaltung und (Nieder- )Gerichtsbarkeit verbriefen und damit einer längeren Entwicklung Rechnung tragen (um 1299 Erwähnung von Schöffen, 1307 von Ratmannen); das Befestigungsrecht wird gewährt wie auch freies Geleit für den Kaufmann auf allen Straßen zu Wasser und zu Lande; die Juden werden von aller Kaufmannschaft ausgeschlossen und auf reine Geldgeschäfte beschränkt. Andererseits behalten sich die Grafen die Münz-, Zoll- und Gerichtshoheit vor und vor allem das Recht, Bündnisse zu schließen. Im Falle eines Krieges sind die Bürge r zur Heerfolge verpflichtet.

Tatsächlich zeigten sich in wirtschaftlicher Hinsicht rasch positive Folgen. Waren im Jahre 1243 noch zwei Jahrmärkte abgehalten worden, so waren es 1354 schon sieben. Handwerkerzünfte bildeten sich heraus, vom Rat der Stadt als „Ämter“ privilegiert (Bäcker 1362, Schmiede 1383, Schuhmacher 1386). Vom Stau aus, dem Oldenburger Hafen – 1383 als Anlegeplatz und 1478 als Handelsplatz für Schiffsladungen urkundlich belegt – wurden über See Handelsbeziehungen zu zahlreichen Ländern geknüpft. Für die Zeit des ausgehenden Mittelalters und der beginnenden Neuzeit kann man deshalb für Oldenburg eine gewisse wirtschaftliche Blüte feststellen, allerdings eine eingeschränkte. Denn der gewinnbringende Fernhandel blieb im wesentlichen in fremder Hand. Das Handelsvolumen reichte nicht im entferntesten an das des benachbarten Bremen.

Die Möglichkeit, Mitglied des Städtebundes der Hanse zu werden, war und blieb Oldenburg nach den Bestimmungen der Stadtrechtsurkunde verschlossen. Und wer Stadtherr war und blieb, war auch nicht zweifelhaft. Deutlich lässt sich der überragende Einfluss der Grafen von Oldenburg – wirtschaftlich wie politisch, rechtlich geregelt durch das verbriefte Stadtrecht – an den städtischen Siegeln ablesen: Hier findet sich stets der gräfliche Wappenschild mit abgebildet (so noch heute im Oldenburger Stadtwappen).

Oldenburg um 1550

Anmerkung: Hier fehlt leider der Ausstellungstext. Deswegen wird hier der öffentlich einsehbare Text der Website gezeigt.

Modell Oldenburg um 1550

In den 200 Jahren seit der Stadtrechtsverleihung hatte sich die Siedlungsfläche nahezu verdoppelt, die Einwohnerzahl betrug circa 3.200 Personen. Bemerkenswert ist, mit Blick auf den vergrößerten Stadtplan von Pieter Bast aus der Vogelschau (1598), dass das damals eingezogene Straßennetz noch dem heutigen innerhalb des Altstadtrings entspricht.

Das topographische Modell veranschaulicht, dass der Stadtkörper sich durch Wälle und breite Wasser führende Gräben markant gegen das Umland abgrenzte.

Kirchliches Leben, das den Alltag und das Bewusstsein der Menschen in ihrer Sorge um das eigene Seelenheil nachdrücklich bestimmte, konzentrierte sich auf drei sakrale Orte in der Stadt: die Lambertkirche am Markt (Pfarrkirche und seit 1374 Kollegiatstift), die kleinere, aber wohl ältere Nikolaikirche an der heutigen Kleinen Kirchenstraße (1872 abgerissen) und die Heiligengeistkapelle beim nordöstlichen Stadtzugang mit dem „Lappan“ genannten Turmgebäude, welches noch heute als eines der Wahrzeichen Oldenburgs gilt. Aus der Zeit unmittelbar vor der Reformation (erste lutherische Predigt in der Stadt 1529) stammt der eindrucksvolle Flügelaltar „Zu den sieben Schmerzen Mariens“ (dem „Meister von Osnabrück“ zugeschrieben, wohl 1520/25) aus dem ehemaligen Dominikaner-Nonnenkloster Blankenburg, das seinerzeit noch außerhalb des Stadtgebietes lag.

Oldenburg Comit

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