Gedanken zu: Geld

Update 20.01.2011
Weitere, meist viel ausführlichere Erklärungen die sehr lesenswert sind. Hätte ich sie vor meinem Text hier gekannt, hätte ich sicher einiges noch weiter ausgebreitet:
6. Januar 2011, Egon W Kreuzer: Rettung einer Illusion (pdf)
11. Juli 2008, Raimund Brichta: Beim Geld geht es um die Wurst (pdf)

Was ist „Wert“?
Wenn etwas etwas wert ist kann man es gegen etwas anderes, was man braucht oder möchte und einem etwas wert ist, eintauschen. Z.B. Lebensmittel, Dienstleistungen und so weiter. Wert ist also etwas, wofür man bereit ist etwas zu geben. Ein Bedürfnis. Käme Gold von heute auf morgen aus der Mode und wäre für keine technischen Prozesse und Geräte mehr notwendig, so wäre es vielleicht weniger wert als Sand. Deswegen, weil alle es loswerden wollten.
Sonderrollen spielen hierbei gesellschaftliche Prozesse oder auch gewinnorientierte Wirtschaft, die Nachfrage und Abhängigkeiten selbst erzeugt. Wie kann eine Nasenkorrektur oder sauberes Trinkwasser sonst so viel wert sein, wie es der Fall ist?

Warum ist Geld etwas wert?
Es muss immer jemanden geben, des zu wenig Geld hat um seine Bedürfnisse zu befriedigen – seien sie wirklich essentiell wie Nahrung oder z.B. durch Werbung generiert wie der iPod. Dadurch, dass es immer zu wenig Geld gibt, konkurrieren wir um das scheinbar knappe Gut.
Bei Geld hört die Freundschaft auf. Wenn man um etwas konkurriert um seine Bedürfnisse zu befriedigen, kann man diesen Satz verstehen. Geld minimiert so Gemeinschaftsdenken. Wirtschaftlich ist also immer das, was dem eigenen oder eine kleinen Gruppen von Menschen als Vorteil dient.

Wie bleibt das Geld knapp?
Das ist ein systemimmanentes Problem. Es gibt eine Kreditwirtschaft. Für eine große Anschaffung brauchst du kurzfristig viel Geld z.B. 1 Mio €. Die Bank hält dich für kreditwürdig – was eigentlich lediglich heißt, dass Sie dir zutrauen das Geld inklusive Zinsen zurück zu zahlen.

Wann wird Geld geschaffen und warum ist es immer knapp.
Geld wird entweder von einer Zentralbank für die entsprechende Währung geschaffen. Oder von Privatbanken im Zuge von Kreditvergaben. Die Bank benötigt lediglich einen Bruchteil wie 10% des vergebenen Kredites als eigene Einlage. Der Rest wird im Moment der Kreditvergabe erschaffen! Das soeben erzeugte Geld gibst du natürlich wieder aus. So landet es auf anderen Bankkonten, die Banken erzeugen dann wiederum virtuelles Geld aus gerade diesem Geld welches schon nicht existiert.
Was nicht erschaffen wird ist der Zins. Das bedeutet, du musst mehr zurückzahlen als es insgesamt gibt. Da du selbst kein Geld schaffen kannst musst du es jemandem weg nehmen. Kreditwürdigkeit bedeutet also eigentlich nur, dass die Bank dir zutraut aggressiv genug zu sein, das nicht geschaffene Geld irgendjemandem weg zu nehmen und der Bank zu übergeben.
Beachte, dass Zentralbanken durchaus privat sein können – wie z.B. die amerikanische Federal Reserve – und deswegen nicht unbedingt das Wohlergehen aller Menschen, auch nicht des amerikanischen Volkes, im Fokus ihres Handelns haben.

Kann ich Geld für mich arbeiten lassen?
Schon mal Geld arbeiten gesehen? Wirklich? Was du vielleicht schon ein Mal gesehen hat ist, dass sich ein Kontostand erhöht hat, ohne explizit dafür etwas tun zu müssen. Damit Geld arbeiten könnte müsste es einen Wert schaffen, z.B. innovativ sein und etwas erfinden, Straßen bauen oder Brot aus Zutaten backen. Dinge, die für Menschen einer Gesellschaft etwas „wert“ sind.
Da Geld nie arbeitet kann es nur virtuelle Werte schaffen, durch Spekulationen. Etwas muss nachgefragt werden, obwohl es keiner braucht. Allein im Glauben, dass nach einem selbst noch jemand spekulieren wird, dass die Nachfrage noch größer wird. Abgezogen wird der Wert aber wieder bei dem Letzten, der eingestiegen ist. Es wird also um verteilt, nicht generiert.

Hat Geld Sinn?
Geld soll Ungleiches gleich, Unvergleichbares vergleichbar machen. Das ist gleichzeitig ein Problem als auch ein Segen. Das Geld ist ein gesellschaftlicher Filter zwischen Bedürfnissen der Menschen, der unkontrollierbar scheint.
Geld abstrahiert Bedürfnisse von Werten und lässt so Märkte entstehen. In armen Ländern hungern die Menschen, sie haben ein Bedürfnis. Die Schieflage zeigt sich nun, dass eben dort kein Markt entsteht, weil kein Geld vorhanden ist. Sie müssen sterben, obwohl sehr viel Geld auf privaten Konten herumliegt. Der Wert des Lebens an sich zu achten ist also kein Bedürfnis der Menschen, die das Geld besitzen.

Was kann Geld nicht kaufen?
Geld kann alles kaufen außer Sinn. Sinn entsteht in Beziehungen, die sind nicht bezahlbar. Abhängigkeit ist käuflich, aber macht keinen Sinn. (nach Prof. Bernard Lietaer)

Bin ich ein Sklave des Geldes?
Das hängt sicher von der persönlichen Situation ab. Alles steht und fällt damit, ob man für etwas, was man auch ohne Geld dafür zu bekommen gerne und den ganzen Tag tun würde, Geld bekommt. Wenn ja und noch einige andere Prämissen erfüllt sind, dann kann man sich damit arrangieren – fühlt sich also nicht als Sklave. Doch sicher gibt es auch hier wieder Tage, an denen man eigentlich lieber im Bett liegen bliebe. Doch man muss aufstehen… bin ich nun in dem Moment ein Sklave, weil ich das, was ich eigentlich gerne tue, heute auch tun muss. Auch wenn ich es heute nicht will – damit ich es morgen noch tun darf.

Wo ist das Problem?
Geld bedeutet Macht. Von selbst, also durch die bekannten Mechanismen, konzentriert sich Geld dort, wo bereits viel Geld ist. Das bedeutet dass eine kleine Menge Menschen sehr viel Geld – also Macht – hat und die allermeisten Menschen wenig bis kein Geld. Es ist das einzige Monopol was geblieben ist. Das wir ein keiner Demokratie leben muss man erst ein Mal akzeptieren.

Wie wird denn nun Wert geschaffen?
Durch Arbeit, sonst nichts. Arbeit kann sowohl geistiger als auch materieller Natur sein. Man nennt diesen Vorgang dann auch Wertschöpfung.

Alternativen?
Lernen, dass Geld kein „Wert“ an sich ist und nicht arbeitet , sondern ein Mittel zum Zweck ist. Wenn man für das Geld auf dem Konto kein weiteres zusätzliches Geld bekommt, dann besteht auch kein Grund es dort zu belassen. Verwaltung von Geld darf nicht lukrativ sein. Man bringt es wieder in Umlauf und kann den Wohlstand allein damit erhalten oder verbessern.
Eine Wirtschaft floriert dann, wenn das Tauschmittel möglichst schnell zirkuliert. Und nicht, wenn es gehortet wird. Dabei muss die absolute Geldmenge jedoch in einem Verhältnis zu realen Werten stehen.

Und in der nächsten Folge: Warum taugt Geld in jeder Form nicht zur (Alters-)Sicherung? ;-)

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Job, Leben, Politik abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

1 Antwort zu Gedanken zu: Geld

  1. Mark sagt:

    Oha, da könnte man sich heute Abend mal bei nem Bier drüber unterhalten :).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.