Mach ich? Könnte ich? Will ich?

Immer die härteste, präziseste, treffende, bessere Sprache für den jeweiligen Ausdruck. Eigentlich eher die Perfekte. Man könnte es auch Hardliner-Mentalität nennen. Oder Konzentration auf den Punkt. Nur welchen?

Meine Füße haben heute Luft zum Atmen. Sie stehen breit gespreizt zwischen Morgentau und Kaugummipapier. Wie es in einem übervollen Bus eben geht. Und ich frage mich: Warum gucken die alle so grimmig? Da steht jemand, mit den roten Haaren. Sie arbeitet im selben Betrieb, daran kann ich mich erinnern und mein Lächeln heute morgen ist ausnahmsweise echt. Offensichtlich kennt sie mich nicht.
Wären die Transponder-Leser Lianen, die Gänge Flüsse und die Lüftergeräusche Insektenbrummen würde ich durch Urwald laufen. Beseelt vom Gedanken, dass ich offen sein kann durchstreife ich das Dickicht auf der Suche nach Bekanntem und Neuem. Ich rieche hier und koste da. Alles ist saftig, knallig, bunt. Und ich frage mich: „Was war an nochmal Arbeit so anstregend?“
Vor der Mittagspause wird der Apfel geschält. Das Messer trennt gerade Vitamine und Fruchfleisch als ich gefragt werde wie es läuft. In der Schule musste ich mal einen Aufsatz mit Climax schreiben. Der war bei mir so im letzten Drittel. Ab dem Moment wird der Blick meines Gegenübers auch schon leerer. Nach einer weile bleibt nur noch das Grinsen: „Verstehe ich jetzt nicht“, „Egal wir haben ja noch Zeit.“
Die Mittagspause naht mit 6 Grad Schritten, der Arbeitsplatz ist schon wieder eingerichtet. Dann mal frisch ans Werk: Motivation. Etwas nachbauen, was schon vor einem Jahr nicht zum Einsatz kam. Misst. Ich kann die Unlust noch auf Schlafmangel schieben. Klar, nach dem Wochenende. Toll. Ich will nochmal! Ach nee, ich bin ja gerade auf der Arbeit. Konzentrieren jetzt.

Bin ich krank? Eben hat doch noch das Ohr kurz weh getan? Das wäre ja toll. Oh was für ein Gedanke. Passiert. Wieder in die Werkstatt betteln gehen. Ok, Azubi war da und hat mir nett Teile rausgegeben. Trotzdem.
„Wie läuft ihr Studium so?“ „Ja, was soll ich sagen…“ „Ich hätte jetzt eine spontane Antwort erwartet.“ „Soll ich noch weiter reden?“ Die perfekte Pointe. Real sah es aber so aus, dass ich mich „im Grunde nicht beschweren“ kann. Scheiß Vernunft. Cut the crap! „Sie haben ja schon gelernt, das man nicht sagen sollte, dass man nichts zu tun hat…“ „Kein Problem, ich habe mir schon Arbeit geben lassen. Was mich gewundert hat ist, dass das Trouble-Ticket-System, was ich letztes Jahr aufgesetzt hatte, schon wieder platt ist?“ „Ja, das wurde noch mal neu gemacht. Soll nun aber zurück migriert auf Linux werden.“ „Da kommt es doch her?“ Stille – gefolgt von diplomatischem Dünnpfiff.
Den Fuß in der Tür denkt jemand für mich „Nicht jetzt schon wieder aufgeben!“ Was ist denn jetzt? Bitte nicht gleich wieder alles vergessen. Über die Mittagszeit hat sich der Grauschleier von Nieselregen-Wolken über den Sonnenschein, der eigentlich gestern meine Rollen beim Skaten durch Berlin auf Temperatur bringen sollte, verdrängt. Er war nicht mehr nötig. Jetzt kämpft die Sonne sich zurück, die Raumtemperatur steigt. Aber wo ist das Positive daran? Ein Kollege schützt sich mit Schal sich gegen den „Übefall-Schnupfen“ aus dem gekippten Fenster.

Zwischen Mittel- und Zeigefinger klemmt die dreiviertel-leere Wasserflasche immernoch ziemlich sicher. An den schlaffen Fingern muss sich schon eine Rast-Stufe gebildet haben. Ich biege rechts ab. Feuchte rote Steine tragen hier die Unmengen an Streusalz glitzernd zur Schau. Es wäre hunderte Meter unter der Erde besser aufgehoben. Nach einer Überstunde fällt mein Schatten schon ziemlich lang aus. Wo er hinfällt glitzert nichts mehr.

Auf der nächsten Parkbank sitzt eine dicke Frau mit ihrem Macker als Ebenbild. Sie blinzeln in die seltenen Strahlen der Wärme. Lachen sich gegenseitig an. Bei mir prallen sie am Rücken ab. Ich starre auf den Boden. Warum sind nur alle so fröhlich?

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