Archiv der Kategorie ‘Lesen‘

 
 

David Schnarch sagt…

…die Kunst einer guten dauerhaften Paarbeziehung besteht in echter Intimität und Entwicklung. Damit meint er nicht (nur) die Intimität beim Sex sondern “vollkommen”. Die Maske abnehmen und sich selbst zeigen, ganz und ehrlich die eigene Persönlichkeit ausleben. Der Schlüssel hierzu ist seiner Meinung nach eine gute Differenzierung der Partner.
Im Gegensatz zu dem Zustand den er “emotionale Verschmelzung” nennt, erlaubt Differenzierung Bewegung und Weiterentwicklung durch Anerkennung der Tatsache, dass Partner eben nicht im selben Boot sitzen. Sie fahren jeweils in ihren eigenen Nussschalen nebeneinander her und aus bloßer Zuneigung segeln sie zusammen möglichst lange in die gleiche Richtung. Als Voraussetzung nennt er hierfür die Fähigkeit der Angstregulation als einzelnes Individuum. So ermöglicht sie erst Stabilität und ein “Auffangen” des Partners und der Beziehung in Stresssituationen. Durch Konzentration auf die eigene Entwicklung, das ich was man selbst sein möchte, arbeitet man sich weniger an den Unzulänglichkeiten des Partners ab.
Eine Beziehung kann nicht dauerhaft in der “Komfortzone” sein. Der Versuch muss auf Dauer fehlschlagen, wenn äußere Bedingungen oder innere Gründe eines Partners zur Bewegung anregen. Im Fall der Abhängigkeit von dem vom Partner gespiegelten Selbstbild treten Ängste auf, die einer Entwicklung entgegen zu wirken versuchen. In dieser Verschmelzung ist keine Bewegung mehr möglich, der Partner fühlt sich unter Druck und/oder kontrolliert. Und nun ist man an dem Punkt, der Feuerprobe (“crucible”), an dem Partner sich entscheiden müssen: Zusammen wachsen oder…?

Streckenweise sind die 480 Seiten etwas dröge zu lesen, manchmal etwas lustig und auch erschreckend real. Für mich ist das schon ein grenzwertiges “Lesevergnügen” gewesen. Oft gab es Stellen, die ich nur schwerlich nachvollziehen konnte (wollte?) und die mir zu ausführlich vor kamen. Das Buch doch endlich „durch” haben und mich etwas Neuem widmen wollte ich auf jeden Fall. Abschließend nun drei Stellen, die mir besonders gefallen haben:

“Ich kann nicht voraussetzen, dass du meine Sicht der Dinge teilst. Du bist nicht auf der Welt um mich zu bestätigen und zu sagen, dass ich alles richtig mache. Ich will aber, dass du mich liebst – und das geht nur wenn du mich wirklich kennst. Ich will nicht, dass du mich ablehnst – aber ich muss das riskieren, wenn ich mich bei dir wirklich angenommen und geborgen fühlen möchte. Es ist an der Zeit, mich dir so zu zeigen, wie ich bin und empfinde, und mich der Tatsache zu stellen, dass ich ein von dir getrenntes, sterbliches Wesen bin. Eines Tages werden wir nicht mehr zusammen sein, und ich wünsche mir, dass du mich dann wirklich gekannt hast.”

(Kapitel 4, Seite 129, Intimität ist nichts für Zaghafte)

“Kein Wunder, dass so viele von uns das Gefühl haben fest zu stecken. Vorankommen heißt wählen. Das Aufrechterhalten des Status quo nährt die Wunschvorstellung, niemals wählen zu müssen, oder die Illusion, dass man nur lange genug Warten müsse, bis die Wahlmöglichkeit auftaucht, die man sich wünscht.
Sie können sich nicht dafür entscheiden, überhaupt nicht zu wählen – es sei denn, Sie hindern Ihren Partner daran, Entscheidungen zu treffen, die ihr Leben beeinträchtigen”

(Kapitel 11, Seite 352, Zweier-Dilemmata und der normale Sadismus)

“Eine glückliche Paarbeziehung erfordert Mut, Flexiblität und Vertrauen. Wir glauben häufig, es sei leichter, glücklich als unglücklich zu sein, aber würde nicht, wenn das der Fall ist, mehr Menschen nach diesem Prinzip leben? Glück füllt nicht die Leere, die entsteht, wenn man sich endlich von Komplexen befreit und Konflikte löst. Das ist nur der halbe Prozess. Sie müssen sich immer nich selbst Halt geben. Sie müssen sich den Tragödien des Lebens behaupten und sie nicht internalisieren. Eine wunderbare Paarbeziehung macht das Leben nicht leicht oder schmerzlos. Es macht die Mühe nur lohnender und den Schmerz sinnvoller.”

(Kapitel 14, Seite 473, Sexualität, Liebe und Tod)

Die Angst vor der zweistelligen Seitenzahl

Seit kurzem lese ich wieder. Wieder? Naja gut in der Schule (Waaas? Wie lange ist das schon her?) wurde man auch gezwungen. Ja, wieder.
Bin ich mit “Gut gegen Nordwind” und “Was Paare wissen müssen” noch recht komfortabel und gut gestartet, so verlangt “Die Angst vor dem Glück” schon einiges an Durchhaltevermögen. Das liegt meiner Meinung nicht daran, dass es schlecht geschrieben ist, sondern
weil (relativ) wenig Inhalt auf 100 Seiten ausgerollt wurde. Hier also eine kurze Zusammenfassung:

Wir stehen uns auf dem Weg zum Glück selbst im Weg, weil wir darauf konditioniert sind uns selbst zu erhalten. Wir haben uns im Laufe des Lebens ein bestimmtes Level an Schmerz gewöhnt, dass wir unterbewusst versuchen beizubehalten, da Stetigkeit uns Sicherheit gibt – und sei sie unglücklich – und uns bisher das Überleben gesichter hat. Wenn man akzeptiert, dass man selbst stetig unterbewusst am Erhalt des Status Quo arbeitet kann man das verändern und muss dabei wissen, dass es Rückschritte gibt. Die Erwartung selbiger und die Suche nach Glücksmomenten und neuen Gewohnheiten ermöglicht dann eine Veränderung zum Guten.

Nun beziehe man diese These – was sie nicht schlechter macht! – noch auf viele Beispiele und verpacke das Ganze in mehrere Kapitel. Wer sich genauer dafür interessiert sollte einfach die Zusammenfassung im Buch (das letzte Kapitel) lesen. Das ist zwar nicht teuer, aber obige Zusammenfassung spart Zeit.